Was ist Tanuki?
Tanuki (狸) ist das japanische Wort für den Marderhund, ein wirkliches Tier, heimisch in Asien. In der japanischen Sagenwelt und Kunst sind Tanuki jedoch zu etwas weit Größerem geworden — schelmische übernatürliche Wesen (Yōkai) mit Verwandlungskräften, listiger Klugheit und geheimnisvoller Verbindung zu Glück und Wohlstand. Eine Tanuki-Figur, meist aus Keramik, mit übertriebenem Bauch, rundem Gesicht und wissendem Ausdruck, steht vor japanischen Lokalen, Läden und Häusern als Glücksbringer für Erfolg im Geschäft.
Trickster Spirit
In der japanischen Sagenwelt sind Tanuki nicht böse, sondern schelmische Trickser, die sich am Verwandeln und am Necken der Menschen erfreuen. Klassische Erzählungen zeigen Tanuki, die sich in Mönche, schöne Frauen oder andere Gestalten verwandeln, um Menschen zu prüfen oder zu täuschen. Anders als Füchse (Kitsune), die oft unheimlicher dargestellt werden, gelten Tanuki im Allgemeinen als gutmütige Schelme — klug und verspielt statt böswillig. Diese Verspieltheit zeigt sich auch in ihrer Darstellung als Figur, wo sie oft ein wissendes Grinsen tragen.
Restaurant Icon
Die Tanuki-Figur vor einem japanischen Lokal oder einer Bar ist zum Erkennungszeichen geworden. Die Statue, oft in einladender Haltung mit erhobener Hand, soll Kunden hereinlocken und dem Geschäft Wohlstand bringen. Bekannt als der Vetter der Maneki-neko (obwohl streng genommen keine Katze) ist der Restaurant-Tanuki zum Sinnbild zwangloser, einladender japanischer Gastronomie geworden. Viele Lokale lassen sich eigene Tanuki-Figuren von Handwerkern anfertigen — jede ein unverwechselbares Erkennungsstück.
Glücksbringer
Tanuki-Figuren gelten als Glücksbringer (福の神, Fukunokami — Glücksgötter). Man glaubt, ihre Aufstellung lade Wohlstand ein, schütze das Geschäft und bringe Freude. Die Merkmale einer Tanuki-Figur tragen symbolische Bedeutung — ein großer Bauch steht für Zufriedenheit und Wohlstand, ausgeprägte Hoden (in klassischen Darstellungen) für Fülle und Fruchtbarkeit, und der freundliche Ausdruck für Wohlwollen. Diese Zeichen haben Tanuki zu einem der beliebtesten Glücksbringer der japanischen Kultur gemacht.
Folklore & Tales
Die klassische japanische Literatur kennt zahlreiche Tanuki-Erzählungen. Im berühmten Noh-Stück "Kuzunoha," verwandelt sich ein Tanuki in eine schöne Frau. In „Kachi-Kachi Yama“, quält ein rachsüchtiger Tanuki einen alten Mann, ehe er besiegt wird. Diese Erzählungen zeigen die vielschichtige Natur der Tanuki — nie rein gut oder böse, sondern Wesen nach eigener, geheimnisvoller Logik. Heutige Bearbeitungen haben den Trickster-Zug abgemildert und die liebenswerten, gütigen Seiten betont.
Tanuki sind in Anime, Manga und Videospielen aufgetreten, am bekanntesten als „Tanooki-Anzug“ in Nintendos Super Mario Bros. 3, der Mario Verwandlungskräfte verleiht. In Studio Ghiblis „Pom Poko“ sind Tanuki die Hauptfiguren. So gelangte die Tanuki-Mythologie einem internationalen Publikum nahe, wenn auch oft mit einer verspielteren Deutung als in der überlieferten Sagenwelt.
Traditional Tales
Manche der beliebtesten Tanuki-Erzählungen stammen aus der Edo-Zeit. "Tanuki Kozo" erzählt von einem jungen Tanuki, der Händler mit Verwandlungskünsten täuscht. "Tanuki Fuukutei" erzählt von einem Tanuki-Geist, der sich einen eigenen Palast baut. Diese Erzählungen betonen die Klugheit der Tanuki, ihre Liebe zu Sake und gutem Essen und ihre letztliche Harmlosigkeit. Selbst wenn ein Tanuki jemanden täuscht, sind die Folgen selten ernst — meist nur Verlegenheit oder ein kleiner Verlust.
Where Found
Tanuki-Figuren sind vor japanischen Lokalen, Läden und Häusern allgegenwärtig. Töpferviertel wie Shigaraki stellen Tanuki in großer Zahl her. Auf einer Japanreise begegnet man unweigerlich mehreren Tanuki-Statuen — manche verwittert und alt, andere frisch gefertigt, alle mit ihrem geheimnisvollen Lächeln. Für manche Liebhaber ist das Sammeln von Tanuki zum Hobby geworden, seltene und kunstvolle Stücke werden zu Sammlerstücken.
